Werkssiedlung der Fa. Bauer & Schaurte

Geschichte

Die ehem. Arbeitersiedlung der Fa. Bauer & Schaurte umfasst die Gebäude Christian-Schaurte-Straße 1-15 u. 2-28. Sie wurde 1921/22 nach Plänen des Berliner Architekten Emil Schuster an der Verbindungsstraße von Neuss nach Kaarst erbaut.

Das Gebiet in dem die Siedlung erbaut wurde, kam erst 1912 zu Neuss. Mit der Eingemeindung von Neusserfurth mit Buschhausen und dem Haus Vogelsang kam ein Gebiet zu Neuss, das als Siedlungsgebiet vorgesehen war, aber vor dem 1. Weltkrieg nicht mehr erschlossen wurde. Die Fa. Bauer & Schaurte erwarb von der Stadt einen größeren Grundstücksbereich und erschloss das Grundstück mit einer Stichstraße.

Die Bebauung erfolgt mit vier verschiedenen Typenhäusern. Der Architekt folgte bei seinem Entwurf Grundsätzen des Siedlungsbaues, die bereits vor dem 1. Weltkrieg erarbeitet wurden und auf einer weitgehenden Typisierung der Bauten und der einzelnen Bauteile aufbaute (vgl. Gartenstadt Staaken von Paul Schmitthenner 1914-1917). Aus nahezu gleichen Grundrissen schuf er einem Vierfamilienhaustyp, zwei unterschiedlichen Zweifamilienhaustypen und einem Zweifamilienhaustyp für kinderreiche Familien. Die Wohneinheiten waren alle über einen separaten Hauseingang erschlossen und in sich abgeschlossen. Das Raumprogramm war bei den Zwei- und Vierfamilienhäusern gleich. Jede Wohneinheit bestand aus einer Wohnküche mit angeschlossener Spüle, die auch gleichzeitig als Badezimmer diente, und einer Stube im Erdgeschoss. Im Dachgeschoss waren zwei Kammern als Schlafzimmer ausgewiesen. Der Zweifamilienhaustyp für kinderreiche Familien war etwas breiter angelegt und hatte im Erdgeschoss noch einen zusätzlichen Raum, in dem zwei Personen schlafen konnten. Unabhängig vom Haustyp besaß jede Einheit einen separat erschlossenen Anbau, in dem sich ein WC und ein Stall für Schweine, eine Ziege und für Kleinvieh befand.

Um der gesamten Siedlung einen malerischen Charakter zu verleihen wurde die Erschließungsstraße mit einem leichten Schwung angelegt und der Kreuzungsbereich zu der Verbindungsstraße nach Kaarst als Platzanlage ausgebaut. Eine kleine Brunnenanlage mit seitlichen Planschbecken und einer Stele mit dem Brustbild des Fabrikbesitzers bildete das Zentrum dieser gärtnerisch gestalteten Anlage, in die auch ein Spielplatz intergiert war.

Die Platzwände, wie auch die anschließende Straße wurden abwechselnd mit den unterschiedlich gestalteten Baukörpern bebaut. Charakteristisches Merkmal aller Bauten waren die steilen, mit Biberschwanzziegel gedeckten hohen Dächer. Einige Typen waren als Giebelhäuser ausgebildet und ermöglichten in der Kombination miteinander oder in Kombination mit zwei eingeschossigen Bauten unterschiedliche Baukörper, die in der Straßenabwicklung eine abwechslungsreiche Gestaltung ermöglichten. Ein weiteres Charakteristikum waren die, als offene Sitzplätze ausgebildeten Eingangsbereiche, die über einen mit Ziegelsteinen gepflasterten Weg erschlossen wurden.
Von den geplanten 54 Einfamilieneinheiten wurden wohl aufgrund der nach 1922 einsetzenden Inflation nur 22 realisiert.

Die nach dem 2. Weltkrieg privatisierte Siedlung bietet heute ein völlig uneinheitliches Erscheinungsbild und hat ihren ehemaligen Charakter bedauerlicherweise völlig verloren.

Literatur:

  • E. Schuster, Arbeitersiedlung der Rheinischen Schrauben- und Mutternfabrik Bauer & Schaurte, Neuß am Rhein.

Karte

Christian-Schaurte-Straße
41462 Neuss